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Sylvester Walch
Dimensionen der menschlichen Seele
Transpersonale Psychotherapie und holotropes Atmen
Rezension von Hans Wolschlager
Auf 430 Seiten spannt der Autor
einen Bogen von der Psychotherapie zur Transpersonalen Psychologie
und bis zu spirituellen und Mystischen Schulen. Dabei werden
Phänomene, die sonst von der esoterischen Literatur her bekannt
sind, in einen wissenschaftlich fundierten Kontext gestellt. Den
Mittelpunkt bilden dabei das holotrope Atmen, die veränderten
Bewußtseinszustände und die persönliche Weiterentwicklung. Man
könnte die Frage stellen: Müßte eine Entwicklung, die bei einer
fundierten Psychotherapie beginnt, in einen spirituellen Weg
überführen um als konsequent zu gelten?
Der Autor schafft den dabei erforderlichen Paradigmawechsel in sehr
kompetenter Weise und bringt dadurch die meist als getrennt
verstandenen Themen gut in Verbindung. Zunächst wird Holotropes
Atmen als Tor in andere Bewusstseinsebenen sehr differenziert
beschrieben. Der dabei ablaufende Prozess und dessen Einflußfaktoren
wie Setting, Sitter, Musik, intuitives Malen, unterstützende
Leibarbeit usw. werden konkret beschrieben und theoretisch
erläutert. Die Reise beginnt mit verstärktem, vertieftem Atmen und
endet mit dem Malen bzw. der Integration der Erfahrung. "Die
harmonische Integration transpersonaler Erfahrungen ist von
entscheidender Bedeutung für geistige Gesundheit. Ein
egozentrisches, wettbewerbsorientiertes, ziel- und machtorientiertes
Leben führt letztendlich zu Gefühlen von Sinnlosigkeit,
Nutzlosigkeit und Depression" (Seite 119). Sei Die vielen Beispiele
und persönlichen Erfahrungen tragen viel zum Verständnis dieses
Geschehens bei.
Die Konzepte der transpersonalen Psychologie werden in einem
wissenschaftlich fundierten Rahmen dargelegt. U.a. wird dabei "das
Selbst" von der personalen Seite und von der transpersonalen Seite
beschrieben. "Der Versuch, das Selbst seinem Wesen nach zu erfassen,
kommt dem Versuch gleich, mit der rechten Hand die rechte Hand zu
ergreifen" (Seite 146) und "Für die transpersonale Psychologie zeigt
sich das Selbst also nicht allein auf die Persönlichkeit bezogen,
sonder ist dem Überpersönlichen gegenüber offen" (Seite 149).
Darüber hinaus werden die vielen Formen und Fassetten des
Bewusstseins umfassend und nachvollziehbar beschrieben. Hier geht es
etwa um die horizontale Transzendenz des Bewusstseins - veränderte
Wachbewusstseinszustände – Wachbewusstsein vs. Schlafbewusstsein -
normales Wachbewusstsein - verändertes Wachbewusstsein - freiwillig
veränderte Bewusstseinszustände - spontan auftretende veränderte
Bewusstseinszustände - krankhaft veränderte Bewußtseinszustände. im
Hinblick auf die Begriffe Bewußtsein, Bewußtheit und die daraus
folgenden Konzepte eine Mehrperspektivität unerläßlich findet, weil
diese Konzepte keineswegs eindeutig gegeben sind und eine
allgemeine, intersubjektive Geltung beanspruchen können.
Auch hier ist der Paradigmenwechsel zu beachten. Sonst könnte etwa
ein Psychiater auf dem Hintergrund des klassischen
Wissenschaftsparadigmas die Vision eines Schamanen als optische
Halluzination eines psychotischen Prozesses missverstehen.
Nah-Tod- Erfahrungen als spontane Formen des erweiterten
Bewusstseins geben ebenfalls Aufschluß über die Dimension des
menschlichen Bewußtsein. "Im Augenblick des Todes gar man eine
überwältigende Schau von >Damakaya< oder dem >Klaren Urlicht< der
>Reinen Wirklichkeit<."
(Seite 196) Sylvester Walch verweist dabei auf
Untersuchungen, die belegen, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung
von Außerkörperlichkeitserlebnissen ohne Todesnähe berichtet. -
Elemente der Nahtoderfahrung treten somit auch in Alltagssituationen
auf ... und ähnlich kosmisch-mystische Erlebnisse können auch mit
hohem Dosen halluzinogener Substanzen wie LSD hervorgerufen werden.
Außerkörperlichkeitserlebnisse treten auch im Schlaf, in tiefer
Meditation und unter Hypnose auf - oder bei extremem Streß, etwa
sexuellem Mißbrauch, ferner bei Migräne oder epileptischen Anfällen.
Phänomene der Parapsychologie wie etwa außersinnliche Wahrnehmungen
(Telepathie, Hellsehen, Präkognition), Psychokinese (die psychische
oder geistige Beeinflussung von physikalischen Systemen),
Geistheilung werden hier besprochen und eingeordnet,.
So wird klar, dass der Spirituelle Weg keine Neurosen heilt, aber
hilft, sich weniger damit zu identifizieren, sie weniger ernst zu
nehmen und humorvoll die Eigenheiten, Fehler und Projektionen zu
tragen.
Ein großer Teil wird noch den Erfahrungsberichten aus den
Atemsitzungen gewidmet und die wohl für sich sprechen allerdings von
nicht Erfahrenen nicht ohne weiteres verstanden werden. Das
abschließende Ordnungsschema der Erfahrungen soll noch einmal das
gesamte Spektrum umfassen.
Sowohl für Insider wie für Outsider bietet das Buch eine
differenzierte Gesamtsicht und eine seriöse theoretische Information
über diesen großen Themenkreis .
Die umfassende Literaturliste stellt einen Hinweis dar, welchen Wert
der Autor auf eine solide Untermauerung legt und wie umfassend er
sich mit seinem Wissens- und Erfahrungsbereich auseinandergesetzt
hat.
Meine persönliche Begeisterung über diese fundierte und offene
Darstellung möchte ich am Ende noch dadurch ausdrücken, dass kein
mir bekanntes Buch ein so breites Spektrum mit einem so
wissenschaftlichen seriösen Background aufweist. Die Verbindung zum
personzentrierten Ansatz ist neben der Tatsache daß der Autor
Ausbildner der ÖGwG ist auch diese prozeßhafte Sicht des Ablaufes.
Das Vertrauen auf die Aktualisierungstendenz die in Richtung der
Entwicklung des Individuums strebt. Wie diese genau mit der "Inneren
Weisheit" ident oder different ist, wäre zu diskutieren.
Hans Wolschlager

Dimensionen der menschlichen
Seele
Transpersonale Psychotherapie und holotropes Atmen
Sylvester Walch
Düsseldorf; Zürich: Walter Verlag 2002 453 Seiten
www.patmos.de
ISBN 3-530-42153-9 |
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